tl;dr: die Piratinnen sind (noch) nicht reif dafür, sie agieren ohne nachzudenken

Ein Mitglied der Piratenpartei (diesmal sogar noch ein Mitglied der NRW-Fraktion) hat einen dümmlichen Kommentar auf Twitter geworfen, in dem NS-Opfer mit dem Vorgehen Israels in Gaza verglichen werden. Wie zu erwarten setzt der typische Piratinnenkreislauf sofort ein: Viele Piratinnen twittern und bloggen was das Zeug hält ohne vorher nachzudenken. Momentan hat es jetzt auch eine kleinere Tageszeitung und die NRW- Landtagspräsidentin, ach und jetzt auch noch die Bildzeitung mitbekommen. Im Grunde ist es eigtl. nur noch eine Frage der Zeit bis es jede große Tageszeitung aufnimmt und auch in den Fernseh-Nachrichten erscheint. Wieder einmal wurde vollständige Instinktlosigkeit bei allen Beteiligten zum Primat des Handelns erklärt.

Wie hätte es denn besser laufen können?

Ohne Zweifel wäre es am besten gewesen, wenn das Mitglied der NRW-Fraktion diese Äußerung nicht getätigt hätte. Da wir die Zeitreise (noch) nicht erfunden haben und dümmliche Aussagen immer wieder kommen, erst Recht, wenn sich die Zahl der Abgeordneten und (Listen)Kandidatinnen vergrößert, versuchen wir einmal die zweitbeste Lösung zu finden. Statt wieder einmal auf jedem erdenklichen Kanal über das Problem zu sprechen und das Problem mit Streisand in alle Welt zu streuen und dadurch wieder einmal die Piratinnen überall mit Antisemitismus zu verknüpfen, hätte man als aller erste Maßnahme doch einfach an der Quelle ansetzen können, also von allen Seiten sofort das persönliche Gespräch suchen. Man hätte der Person sachlich erklären müssen warum eine solche Verknüpfung und Vermengung von Personen und Ereignissen ein logischer wie auch respektloser Fehler gegenüber Menschen ist, die in ihrem Leben nie jemandem ein Leid zugefügt haben.

Jetzt hätte es zwei mögliche Folgen gegeben, entweder derjenige hätte sich nach Einsicht unverzüglich für seine Äußerungen entschuldigt und selbst erklärt warum er diese nun ebenfalls als inakzeptabel empfindet oder aber es hätte keine Einsicht gegeben. Wenn viele Menschen diesen Weg gesucht hätten, wäre aus meiner Sicht wohl die Einsicht eine sehr wahrscheinliche Folge gewesen, zumindest wäre es wohl wahrscheinlicher als bei dem eingesetzten Stuhlgewitter das bekanntlich eher dazu taugt Probleme zu verstärken.

Bei Eintreten des zweiten Falles, also keine Einsicht trotz aller Versuche auf persönlicher Ebene, wäre eine sofortige Distanzierung und auch die unmissverständliche Forderung nach einem Rücktritt angebracht. Beides ist nicht erkennbar, liest man die Veröffentlichungen des Landesvorstandes NRW sowie der Fraktion, bekommt man nur noch stärker den Eindruck, dass die Kommunikation auf persönlicher Ebene fehlt. Wieder einmal wurde ausschließlich Problemverstärkung betrieben. Kompetente Problemlösung scheint es bei Piratinnen nicht zu geben. Und deshalb wird auch der kurze Boom durch den Parteitag in Bochum nicht ausreichen diese Partei dauerhaft über 5% zu halten.

PS: Ich habe absichtlich auf Verlinkungen im Text verzichtet, da es mir um die Problembeschreibung und nicht (allein) um den konkreten Fall geht. Außerdem hoffe ich das generische Femininum korrekt verwendet zu haben.

Advertisements